Bericht von den Dreharbeiten in Bangladesh

Roland Wehap und Manuela Hinterberger verbrachten drei Wochen in Bangladesh um das Schicksal der Rohingya mit der Filmkamera zu dokumentieren. Die Aufnahmen sind Bestandteil des Filmes BURMA DISPLACED, der von Flüchtlingen aus Burma handelt und im Herbst 2010 fertig gestellt wird.

Bangla KinderschlammMan könnte im Nachhinein sagen, dass Bangladesh nicht unbedingt zu den "Top 5" - Tourismusdestinationen dieser Welt gehört. Man könnte auch nicht sagen, dass wir uns einsam gefühlt haben, was bei einer Bevölkerungsdichte von rund 1000 Menschen pro Quadratkilometer nicht weiter wundert. Dass wir nun drei Wochen lang bei den - laut einer Studie - "glücklichsten Menschen der Welt" waren, lässt uns die Definition des Begriffes "Glück" neu überdenken. Dass aber genau in dieses Land Menschen flüchten, weil es anderswo noch viel schlimmer ist, grenzt fast ans Unbegreifliche.

Vor etwas mehr als einem Jahr waren wir an der burmesischen Grenze in Nordthailand unterwegs um für unseren neuen Film "BURMA DISPLACED" über Flüchtlinge aus Burma zu drehen. Wir besuchten legale und illegale Flüchtlingslager diesseits und jenseits der Grenze, führten unzählige Gespräche und hörten unglaubliche Geschichten über Folter, Krieg und Menschenrechtsverletzungen in Burma. Die Stimmung war nicht gut, aber auch nicht hoffnungslos. Die Menschen haben noch Träume, die sie leben und die sie am Leben erhalten. Unterstützung finden sie in Thailand von vielen NGO's, wie die des Südtirolers BENNO RÖGGLA mit HELFEN OHNE GRENZEN, deren Slogan "Ein Strahl Hoffnung" symptomatisch für die Situation dort ist: Licht am Ende des Tunnels.

Und nun Bangladesh. 460 US Dollar BIP klingt abstrakt, 2 Euro für einen Tag Schwerarbeit schon konkreter. Wir haben in drei Wochen viele Baustellen in Bangladesh gesehen, aber keinen einzigen Bagger. Wozu auch?

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Handarbeit ist billig und Menschen gibt es genug. Auch Cox's Bazar, ganz im Süden von Bangladesh, nahe der burmesischen Grenze, boomt. Riesige Hotelkomplexe entstehen, eine Art "Costa del Sol" für die Mittel- und
Oberschicht in Bangladesh soll es einmal werden. Auf einer Großbaustelle wühlen sich unzählige Arbeiter mit Hauen und Körben ausgerüstet in den Boden.

Angeheuert werden sie auf der Straße, jeden Morgen an einer Kreuzung in der Ortsmitte von Cox's Bazar. Als wir sie fragen, woher sie kommen, antworten sie ausweichend "nicht von hier" und wir wissen, sie meinen Burma.

Jenseits der Grenze spielt sich seit Jahrzehnten ein geplanter Völkermord ab. Erhalten die Karen und Shan an der Grenze zu Thailand noch ein geringes Maß an internationaler Öffentlichkeit, so sieht es hier ganz anders aus. Ein Rohingya Exilpolitiker spricht von den "Silent Killing Fields", denn niemand nimmt Notiz von dem, was hier passiert. Die Existenzberechtigung der Rohingya, einer muslimischen Minderheit in der Provinz Arakan im Nordwesten Burmas, wird schlichtweg geleugnet. Die offizielle Auslegung der burmesischen Junta: Die Rohingya sind aus Bangladesh eingewandert und sollen gefälligst dorthin zurück.

Wir sind mit einem Fotografen unterwegs, der für eine Rohingya Nachrichtenagentur in Bangladesh arbeitet. Mit ihm kommen wir in ein illegales Flüchtlingslager, das sich am Rand des offiziellen UNHCR Flüchtlingslagers gebildet hat.

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Schätzungsweise 20.000 Menschen leben allein hier unter erbärmlichen Umständen, unter Plastikplanen, ohne sauberes Trinkwasser, ohne medizinische Grundversorgung. Es sind die, die weniger als nichts haben und die Geschichten, die sie uns erzählen, klingen wie die Gebrauchsanweisung zum geplanten Genozid. Die meisten sind hier, weil sie in Burma auf der sogenannten "Black List" stehen, einer Liste, die eine Rückkehr unmöglich macht. Gefängnis, Zwangsarbeit, Folter und Tod - das sind die Erwartungen, die sie noch an ihre Heimat haben. Zuvor wurde ihr Land enteignet, wurden ihre Männer für Zwangsarbeit verschleppt, ihre Frauen und Kinder vergewaltigt, ihre Moscheen zerstört. Aus Zentralburma wurden und werden Familien umgesiedelt um die Dominanz der Bamar, der größten Volkgruppe, der auch die Generäle angehören,  zu untermauern. Ganze Musterdörfer sind auf diese Weise entstanden. Morden im Namen Buddhas - das ist neu für unsere Ohren.

 

Ohne behördliche Bewilligung darf auch nicht geheiratet werden. Doch ohne Hochzeit keine Kinder, so will es die strenge islamische Tradition. Die Heiratsbewilligung ist an eine unrealistisch hohe Gebühr gebunden, die sich niemand leisten kann. Nicht ganz unpraktisch aus der Sicht der Junta. Wer heimlich ohne Genehmigung heiratet, wandert ins Gefängnis. Die einzige Lösung: die Flucht nach Bangladesh.

 

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Schon seit 30 Jahren flüchten Rohingya aus Burma nach Bangladesh. Zweimal gab eine große Flüchtlingswelle, 1978 kamen 200.000 Flüchtlinge und zwischen 1991 und 1992 gab es eine weitere Welle mit 250.00 Rohingyas.

Doch auch jetzt kommen jeden Tag neue Flüchtlinge hinzu.  Viele leben in den offiziellen UNHCR Flüchtlingslagern und haben auch den Status eines Flüchtlings und damit das Recht auf Grundversorgung. Doch die meisten leben als U-Boote außerhalb der Lager und nicht wenige hatten schon die Integration in die Gesellschaft in Bangladesh geschafft, eine kleine, wenn auch illegale, Basis geschaffen. Doch das Glück war nicht von langer Dauer: mit der Militäroffensive "Operation Clean Heart" 2002 wurden sie ihrer Grundlage beraubt und sahen sich einem ähnlichen Schicksal gegenübergestellt wie in ihrer alten Heimat Burma: enteignet und entrechtet. Die Rückkehr nach Burma hätte für sie den sicheren Tod bedeutet, also siedelten sie sich in provisorischen Lagern an, errichtet aus Zivilisationsmüll.

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Wir stehen nun mitten in so einem Lager und von allen Seiten strömen die Menschen herbei um die "weißen Engel" zu begrüßen. Denn weiße Menschen bedeuten Hoffnung auf Hilfe. Schon bald werden uns Kranke gezeigt, mit einem verzweifelten Blick, der mehr als tausend Worte sagt. Ein Vater hält uns sein sichtbar todkrankes Baby hin und unsere Antwort, dass wir ihm nicht helfen können, weil wir keine Ärzte sind, fällt besonders schwer. Doch die Menschen verstehen rasch warum wir hier sind, dass wir gekommen sind um Filmaufnahmen zu machen und versuchen sie aus der Vergessenheit zu holen. Wir schütteln unzählige Hände und immer wieder hören wir das Gleiche: "Danke, dass ihr gekommen seid und euch für unser Schicksal interessiert!!


Und dann beginnen sie zu reden, erzählen von ihren Albtäumen in Burma und vom harten Leben hier in Bangladesh. Ein Frau fragt mich, warum ich sie beim Kochen filme, wo sie doch nichts zu kochen hat. Nur eine Handvoll Reis, einmal am Tag.

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Zuviel zum Sterben, aber viel zu wenig zum Leben. Die Männer arbeiten als Tagelöhner, von der Hand in den Mund, oft auch nur für einen Euro pro Tag Schwerarbeit. Die Frauen gehen betteln, aber es ist zu wenig, vor allem für die vielen Kinder. Als wir einen siebenfachen Vater fragen, warum seine Frau nun mit dem achten Kind schwanger ist, wo es doch jetzt schon nicht für alle reicht, ist seine Antwort: "Allah hat es so gewollt!"

Über dem ganzen Lager liegt die Stimmung unendlicher Resignation: Keine Selbstinitiative, sondern Ergebenheit mit dem Schicksal. Die Antworten auf unsere Fragen überraschen daher nicht. Sie haben keine Träume, keine Visionen, keine Hoffnungen, sie wollen nur in Ruhe leben. Und sie machen das, was die Führer machen, gehen die zurück nach Burma gehen sie mit, bleiben sie da, wollen auch sie bleiben.

Einige Tage später treffen wir in Chiattagong auf die höchsten Repräsentanten der Exilregierung der Rohingya. Es ist eine Runde ehrenwerter älterer Herren, richtige Gentlemen. Wir werden freundlich begrüßt und nach islamischer Tradition gastfreundlich bewirtet. Wir machen einige Interviews, werden aber immer trauriger. Denn die Stimmung ist auch hier resignierend. Sie träumen zwar von einem Rohingya Staat in einem freien Burma, aber in ihrem tiefsten Inneren haben auch sie wohl die Hoffnung dafür aufgegeben.

 

INTERVIEW mit Roland Wehap für den Observer (Internationales Film Festival
Innsbruck)


· Drehen Sie ausschließlich Dokumentationen? Wieso dieses Genre?
Angefangen habe ich mit Kunstfilmen, aber irgendwann habe ich beschlossen, auch
mein Leben mit Filmen zu finanzieren. Und so habe ich viele Jahre Werbe- und
Imagefilme gedreht und tue das noch immer. Wir haben uns auch auf digitale
Highspeedaufnahmen (jenseits der 2000 Bilder/Sekunde) spezialisiert und machen
viel im Bereich Wissenschaftsfilm. In den letzten Jahren hatte ich aber das Bedürfnis
verspürt, mich wieder mehr der alltäglichen Realität unseres Lebens zu nähern und
so habe ich begonnen, einen Schwerpunkt auf Dokumentarfilme zu legen.
· `Burma Displaced` ist Ihre bisher größte Filmproduktion. Wie sind Sie zu der
Thematik gekommen?
Was den Arbeitsumfang betrifft ganz sicher. Es waren nicht nur umfangreiche
Dreharbeiten, mit mehreren Aufenthalten in Thailand, aber auch in Burma,
Bangladesch und der Schweiz. Auch das dabei gesammelte Material muss
„verarbeitet“ werden und da braucht man schon Sitzfleisch. Entstanden ist der Film
durch die Annäherung an Burma und seine Menschen im Laufe der Jahre. Burma
Displaced ist ja mein zweiter abendfüllender Dokumentarfilm zum Thema. 2007
machte ich meinen ersten Film über dieses Land, „Burma all inclusive“, da ging es
mehr um die Frage, ob man als Tourist so ein Land bereisen soll. Nämlich vor dem
Hintergrund, dass die meisten ja gar nicht wissen, wohin sie da fahren und wem sie
die vielen Dollars spenden, die sie dort im Urlaub ausgeben, nämlich den Militärs.
Der Film hatte recht großen Erfolg, wir sammelten auch ein wenig Geld und brachten
es zu burmesischen Flüchtlingen an der Grenze zu Thailand und dort kamen wir mit
späteren Protagonisten von Burma Displaced in Kontakt. Und relativ spontan fiel
dann die Entscheidung einen Film zu machen aber diesmal von außen in das Land
zu blicken.
· Wie und wo haben Sie die Menschen gefunden, welche im Film vorgestellt
werden? Zum Beispiel den in der Schweiz lebende Mönch Ashin Kovida?
Das ist eine Frage der Zeit und Geduld. Man kommt mit dem einen ins Gespräch,
der sich dann zwar nicht als idealer Protagonist erweist, aber den Kontakt dann zu
einem zweiten legt und dessen Bruder ist dann vielleicht der Volltreffer. Manches
kann man planen, das meiste jedoch nicht und vieles ist dem Zufall zu verdanken.
Ashin Kovida hab ich schlicht und einfach gegoogelt, ihm dann gemailt, von dem
Film erzählt, dann kurz telefoniert, da war schon eine gewisse Sympathie da und
dann sind wir gleich mit der Kamera in die Schweiz gefahren ohne ihn vorher
getroffen zu haben. Schon bei diesem ersten Treffen ist es super gelaufen und die
Kamera wirkte nie also Störfaktor, war bei unseren Gesprächen einfach nur da. Das
Ganze war natürlich ein Risiko, aber in diesem Fall hat es funktioniert und wir sind zu
spontaneren Aufnahmen gekommen, als wenn wir das großartig vorbereitet hätten.
· Waren die Menschen von Anfang an bereit über ihre Geschichten zu
erzählen, oder gab es ein größeres Misstrauen gegenüber dem Filmteam?
Die Menschen, die sich mal prinzipiell vor die Kamera trauen, sind auch bereit zu
reden. Oft hatten wir das Gefühl, dass ihnen diese Situation durchaus nicht unrecht
war. So eine Art Gesprächstherapie, denn auch wenn das Leben noch so hart ist, es
wird ein wenig leichter, wenn man darüber sprechen kann. Was aber noch dazu
kommt, ist der Umstand, dass Burma und vor allem die ethnischen Minderheiten und
deren Schicksal von den Medien bei uns eher stiefmütterlich gecovert werden. So
sind die Menschen froh, wenn etwas zu dem Thema gemacht wird, weil sie die
berechtigte Hoffnung haben, dass sich dadurch vielleicht irgendwann doch etwas an
der Situation ändert. Ein beeindruckendes Erlebnis hatten wir in einem illegalen
Flüchtlingslager in Bangladesh: da hat mir ein alter Mann die Hand geschüttelt und
gesagt: „Danke, dass ihr euch für uns interessiert!“
· Wie war die Reaktion in den von Ihnen durchreisten Ländern? Gab es
Probleme beim Drehen oder mit Menschen, die vermutlich etwas dagegen
haben, wenn über die dortige Situation im Ausland berichtet wird?
Wir haben sehr unauffällig gearbeitet. Zwar in HD, aber der ganze Film ist mit
Handkamera gedreht worden. Wir hatten bei offizieller Seite der Authentizität wegen
so gut wie nie um Drehgenehmigungen angesucht, sehr wohl uns aber mit den
Menschen vor Ort verständigt und ihre Hilfe in Anspruch genommen. In Bangladesch
war einer unserer Protagonisten, ein Journalist, zum Beispiel sehr hilfreich und hat
uns Türen geöffnet, die auf offiziellem Weg nie aufgegangen wären.
· Denken Sie, dass es im Fall Burma notwendig ist, dass Menschen aus
anderen Ländern über die dortige Situation berichten, da es der
Bevölkerung kaum möglich ist, etwas nach außen zu tragen?
Dass über Burma und das, was dort passiert, berichtet wird, ist enorm wichtig. Nur so
gibt es einen Schimmer Hoffnung. Das Vergessen wäre das Schlimmste. Ob das nun
Exilburmesen machen oder Menschen von anderswo, ist im Kern der Sache nicht
wichtig. Die Menschen im Land selbst haben keine Möglichkeit über ihr Leiden zu
reden, jede Kritik wird dort im Keim erstickt. Also kann man es nur von außen
machen. Der Mönch Ashin Kovida hat es schön formuliert: „I want to be the voice of
the voiceless.“
· Worin sehen Sie dabei die Vorteile eines Films (bezogen auf die vorige
Frage)?
Jedes Medium hat seine Berechtigung und gleichermaßen seine Vor- und Nachteile.
Ein gut geschriebener Artikel kann wirklich was bewegen und ein einzelnes Foto
kann mehr sagen, als eine ganze Geschichte. Für mich ist Film in jeder Hinsicht das
optimale Medium um Gefühle zu wecken, weil es ein Konzentrat all dieser medialen
Elemente ist. Manchmal ist es mir dann schon fast unheimlich, was dabei
rauskommt, auch beim Dokumentarfilm. Allein nur durch die unterschiedliche
Kombination von Bild und Ton kann ich unendliche Variationen einer Situation
schaffen und so den Zuschauer führen, ja sogar manipulieren. Da werden die
Grenzen der Genres schon oft ziemlich fließend und man muss höllisch aufpassen,
was man tut. Bei Burma Displaced habe ich aber bewusst manchmal auf die Tube
gedrückt, weil ich bei meinem ersten Film „Burma all inclusive“ oft das Gefühl hatte,
das viele Zuseher diesen Wahnsinn, der in Burma abgeht, auch im Film gar nicht
mehr wirklich wahrnehmen. Die tägliche Bilderflut von Krieg und Elend hat uns
stumpf gemacht.
· Wie haben Sie die Rap-Gruppe `Myanmar Future Generation` kennen
gelernt? Gibt es noch andere vergleichbare Künstler_Innen aus Burma oder
vielleicht in dessen Nachbarsländer?
Ich habe viel Zeit im Internet verbracht und bin da eines Tages auf ein Audiofile von
einer gewissen Gruppe „MFG“ gestoßen. Es hat dann fast ein Jahr gebraucht um
herauszufinden, wer hinter dem Kürzel steckt und vor allem so viel Vertrauen
aufzubauen, um sich auch im realen Leben zu treffen. Die Leute, die systemkritisch
sind, gehen ein enormes Risiko ein und dementsprechend paranoid verhalten sie
sich oft. Darum sage ich jetzt auch nicht mehr zu diesem Thema. Es gibt noch einige
andere Künstler, zu denen ich zum Schluss dann noch Kontakt herstellen konnte,
aber das „Youth Anthem“ von „Myanmar Future Generation“ hat mir so gut gefallen,
dass ich es unbedingt im Film haben wollte. Der Rap Text ist für mich ebenfalls so
ein Konzentrat, sagt eigentlich alles aus, um was es in Burma geht. Das Lied ist von
der neuen Generation für die Jungen in Burma gemacht und ist auch im Film eine
Brücke zwischen den Generationen.
· Wie viel Budget hatten Sie für diesen Film zur Verfügung? Wo fanden Sie
Unterstützung?
Ich bin ein Steirer, also habe ich 2007 „Burma all inclusive“ mit Kernöl finanziert und
2010 „Burma Displaced“ nur noch mit Käferbohnen, wir haben jetzt ja
Wirtschaftskrise. Durch meine sonstige filmische Tätigkeit kenne ich natürlich einige
Leute in der Branche, die auch mal bereit sind, gegen Naturalien zu arbeiten. Aber
das ist natürlich kein Dauerzustand und für Burma Displaced habe ich schon um
Filmförderung angesucht, allerdings nur so viel erhalten, dass gerade ein Teil der
Reisekosten gedeckt war. Darum die Käferbohnen.
· Mit wie viel bzw. welcher Ausrüstung waren Sie unterwegs? Haben Sie eine
bestimmte Arbeitsweise, nach der Sie meistens vorgehen?
Ich versuche alles so kompakt wie möglich zu halten, ohne aber Einbußen bei der
Bild- und Tonqualität zu machen. Handkamera muss nicht notwendigerweise
verwackelte Bilder bedeuten. Aber alles sollte soweit reduziert sein, dass es in einen
kleinen Rucksack passt. Gedreht habe ich auf HDV mit einer sehr kompakten
Kamera und dann noch mit einer zweiten ganz kleinen für noch unauffälligere
Aufgaben. Wir sind im Zweierteam unterwegs und da sehr ungewöhnlich. Da ich die
Kamera mache, führt meine Partnerin Manuela Hinterberger die Interviews. Das ist
insofern ungewöhnlich, als normalerweise immer der Regisseur die Interviews führt,
aber wir besprechen vorher die Situation und kennen voneinander jede Regung. Das
kappt wunderbar, so kann ich mich ganz auf die Kamera, den Ton und die
Umgebung konzentrieren. Es gibt zwar ein Drehbuch bzw. Konzept, aber wir
reagieren spontan auf die Situation, die sich beim Dreh ergibt, aber das machen wohl
alle Dokumentarfilmer so.
· Was ist Ihr nächstes Projekt?
Sicher nicht Burma. Es wäre zwar reizvoll eine Trilogie zu machen, aber nicht zu
diesem Zeitpunkt. Ich möchte mich zuerst in eine andere Richtung bewegen. Konkret
habe ich gerade ein Drehbuch abgeschlossen, das auch vom Österreichischen
Filminstitut gefördert wurde und von dem ich hoffe, dass ich es bald in einem Film
umsetzen kann. Es ist wieder ein Kino Dokumentarfilm und er setzt sich mit dem
Schein und Sein in unserer Gesellschaft auseinander. Er geht der Frage nach, wie
weit Kopien und Fälschungen schon derart zur Realität unseres Alltages gehören,
dass wir sie bereits als das Original wahrnehmen. Daneben gehe ich noch mit zwei
Themen schwanger – alles Phänomene aus unserer Gesellschaft – die ich
demnächst auch als Drehbuch niederschreiben werde.